BewegtbildKI gestützte Videoproduktion

KI gestützte Videoproduktion

Warum ein KI Film berühren kann und trotzdem Vertrauen kostet

KI Videoproduktion kann Menschen berühren, wenn Idee, Figuren, Ausdruck und Ton dieselbe Sorgfalt erhalten wie im klassischen Film. Ob aus diesem Gefühl Vertrauen wird, entscheidet sich auf einer zweiten Ebene, über Glaubwürdigkeit, eine eigene Bildsprache und eine offene Kennzeichnung.

Ein Widerspruch in den Zahlen

Wer derzeit Untersuchungen zu KI in der Werbung liest, stößt auf zwei Befunde, die schwer zusammenpassen. Das Marktforschungsunternehmen System1, das die emotionale Reaktion von Zuschauenden auf Werbefilme misst, hat 18 Spots getestet, die mit generativer KI entstanden sind. Sie erreichten im Durchschnitt 3,4 Sterne auf einer Skala, deren Höchstwert bei 5,9 liegt, während der Durchschnitt aller rund 123.000 getesteten Spots bei 2,3 Sternen liegt. Im selben Zeitraum gaben in einer Befragung von Gartner 57 Prozent der Konsumentinnen und Konsumenten in den USA an, dass KI erzeugte Inhalte ihr Vertrauen in Markenbotschaften insgesamt verringert haben. 65 Prozent fanden, dass Marken zu viel davon produzieren.

Beide Befunde sind belastbar. Gerade ihr Nebeneinander macht sie für die Praxis aufschlussreich. Ein generierter Film kann offenbar berühren und zugleich das Verhältnis zur Marke belasten. Daraus ergibt sich die Frage, die über jeder KI Videoproduktion steht, woher in einem solchen Film das Gefühl kommt und was geschehen muss, damit aus diesem Gefühl Vertrauen wird.

Zwei Befunde, ein Widerspruch
Emotionstest
KI Spots
 
3,4
Alle Spots
 
2,3
Durchschnittliche Sterne bei System1, Höchstwert 5,9. Generierte Spots lösen im Mittel stärkere Gefühle aus.
Vertrauen
57 %
der Befragten vertrauen Markenbotschaften wegen KI Inhalten weniger.
Nach System1 (18 KI gestützte Spots, 2025) und Gartner (1.006 Befragte in den USA, 2026)

Warum ist Emotion der gemeinsame Nenner jeder Videoproduktion?

Emotion bestimmt, ob ein Film Aufmerksamkeit bekommt, ob er erinnert wird und ob er eine Marke langfristig stärkt. Das gilt für Konsumgüter ebenso wie im B2B, und es gilt unabhängig davon, ob die Bilder gedreht oder generiert wurden.

Der Grund dafür liegt in der Arbeitsweise des Gedächtnisses. Es verankert Erlebnisse, die Menschen emotional bewegen, fester als neutrale. Emotionale Erregung verstärkt die Festigung von Gedächtnisinhalten. Diesen Zusammenhang hat eine Übersichtsarbeit in der „Annual Review of Neuroscience“ aus Jahrzehnten der Forschung zusammengetragen. Besonders deutlich zeigt sich das bei Ereignissen wie dem 11. September 2001. Viele Menschen wissen noch heute genau, wo sie waren, als sie davon erfuhren. Eine Studie der Duke University hat gezeigt, dass solche Erinnerungen über Jahre hinweg lebendig bleiben und mit großer Gewissheit abrufbar sind, auch wenn sich einzelne Details mit der Zeit verändern.

An diesem Mechanismus setzt Werbung an. Ein Logo ist ein Hinweisreiz, der gespeichertes Wissen über eine Marke abruft, also Vorstellungen davon, wofür sie steht, wie sie sich anfühlt und was man von ihr erwarten kann. Dieses Wissen entsteht über viele Kontakte, und die Aufgabe der Werbung ist es, es mit der Marke zu verknüpfen. Je stärker ein Film berührt, desto fester wird diese Verknüpfung im Gedächtnis abgelegt. Deshalb ist die Emotion das eigentliche Ziel jedes Werbefilms. Für KI-Videoproduktion folgt daraus die klare Ausgangsfrage, wie Emotionen im Bild entstehen, wenn die Bilder generiert werden.

Eine Auswertung der Effektivitätsdatenbank des britischen Werbeverbands IPA für das B2B Institute von LinkedIn kam zu dem Ergebnis, dass emotional angelegte Kampagnen auch im B2B langfristig rund siebenmal so häufig sehr große Geschäftseffekte erzielen wie rein rationale Kampagnen. Gemeint sind dabei Gefühle, die zu beruflichen Entscheidungen passen, Vertrauen, Zuversicht, das Gefühl, verstanden zu werden, und Sicherheit. Wie diese Wirkung im Kopf von Einkaufsgruppen abläuft, beschreibt der Beitrag über B2B Video Marketing ausführlicher.

System1 verbindet in seinen Modellen zwei Größen, die zusammen langfristiges Wachstum vorhersagen, die emotionale Reaktion auf einen Film und die Leichtigkeit, mit der eine Marke darin wiedererkannt wird. Getragen wird die Emotion vor allem von Figuren, menschlichem Ausdruck und erzählter Handlung. Ein großer Teil dieser Wirkung läuft über implizite Signale wie Blick, Stimme, Licht und Musik, die schnell und weitgehend unbewusst verarbeitet werden, lange bevor ein gesprochenes Argument ankommt.

Ein Film bleibt in Erinnerung, weil er etwas in Menschen bewegt hat, und das Werkzeug, mit dem seine Bilder entstanden sind, ändert an diesem Zusammenhang wenig.

Was verändert KI an der Produktion von Werbefilmen?

KI verkürzt die Zeit und senkt die Kosten zwischen einer Idee und einem sichtbaren Bild in einem Maß, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war. Einstellungen, die früher ein Filmteam, eine Reise oder aufwendige visuelle Effekte erfordert hätten, entstehen heute in Stunden. Gleich geblieben sind die Bedingungen, unter denen ein Film wirkt, also eine Beobachtung über Menschen, eine Idee, die sie erlebbar macht, und eine Dramaturgie, die Erwartungen aufbaut und überraschend auflöst.

Wie verbreitet die Technik inzwischen ist, zeigt der Creativity Report des Festivals Cannes Lions. Bei rund 40 Prozent der Einreichungen des Jahres 2026 war KI in irgendeiner Form beteiligt, von der Recherche über die Ideenfindung bis zur Produktion. Weil fast alle Agenturen und Marken Zugang zu ähnlichen Werkzeugen haben, entschieden laut Report Geschmack, Handwerk und Sorgfalt im Detail über die ausgezeichneten Arbeiten, und das Festival hat eigene Unterkategorien für Arbeiten eingeführt, in denen menschliche Kreativität und KI zusammenwirken.

Für die Praxis verschiebt sich damit die Aufmerksamkeit. Fallhöhe und Wendung, die im Beitrag über die Wirkung von Geschichten beschrieben sind, tragen einen generierten Film genauso wie einen gedrehten. Neu ist die Versuchung, die geringen Kosten in Menge umzusetzen, und genau diese Menge nimmt das Publikum laut der Befragung von Gartner bereits als zu viel wahr.

Was KI verschiebt und was bleibt
Verschiebt sich
Die Produktion
Kosten pro Einstellung
Zeit bis zum ersten Bild
Zahl möglicher Varianten
Zugang zu aufwendigen Bildwelten
Bleibt
Die Wirkung
Beobachtung und Idee
Dramaturgie und Fallhöhe
Figuren mit Ausdruck
Ton, Musik und Stimme

Wie reagiert das Gehirn auf generierte Gesichter?

Im bewussten Urteil lassen sich generierte Gesichter inzwischen kaum noch von echten unterscheiden. Messungen der Hirnaktivität zeigen jedoch, dass sie anders verarbeitet werden, und der Unterschied betrifft Netzwerke, die für emotionale Bewertung und für das Verstehen anderer Menschen wichtig sind. Für einen Film, der über Gesichter berühren soll, ist das die empfindlichste Stelle.

Forschende der Universität Mailand Bicocca haben 30 Versuchspersonen 440 Gesichter gezeigt, zur Hälfte fotografiert und zur Hälfte von KI erzeugt, und dabei die elektrische Hirnaktivität über die Kopfhaut an 128 Punkten aufgezeichnet, ein Verfahren, das als EEG bekannt ist. Die generierten Gesichter erkannten die Teilnehmenden nur in 33 Prozent der Fälle als künstlich, also seltener, als es bei bloßem Raten zu erwarten wäre, und sie bewerteten diese Gesichter sogar als attraktiver, vertrauter und vertrauenswürdiger. In der Hirnaktivität zeigte sich ein anderes Bild. Generierte Gesichter aktivierten Netzwerke für emotionale Bewertung, für das Hineinversetzen in andere und für das Wiedererkennen stärker und wurden schneller verarbeitet. Veröffentlicht wurde die Studie 2026 in Scientific Reports.

Das Unbehagen, das beinahe menschliche Figuren auslösen können, beschreibt die Forschung als Uncanny Valley. Die Mailänder Ergebnisse deuten darauf hin, dass dieses Tal im bewussten Urteil überwunden ist und in der unbewussten Verarbeitung fortbesteht. Zu einem verwandten Befund kam eine Neuromarketingstudie des Marktforschungsunternehmens NIQ, die mit Blickmessung und impliziten Reaktionszeiten gearbeitet hat. KI erzeugte Videowerbung wurde dort häufiger als störend, langweilig und verwirrend beschrieben, und selbst hochwertige Spots hinterließen eine schwächere Gedächtnisspur als klassisch produzierte.

Mit den guten Testwerten aus dem Einstieg lässt sich das vereinbaren. Die Spots im Test von System1 waren eine kleine Auswahl, die bereits Aufmerksamkeit in der Branche erhalten hatte, und die untersuchten Filme unterscheiden sich erheblich in Idee und Handwerk. Zusammen legen die Befunde nahe, dass generierte Bilder berühren können und dass Gesichter, Blicke und Mimik dabei die meiste Sorgfalt verlangen, weil hier die stärkste emotionale Wirkung und das größte Risiko zusammenfallen.

 

Bewusstes Urteil und Hirnaktivität
Als künstlich erkannt
 
 
33 % der generierten GesichterZufall 50 %
Bewusst
Kaum zu unterscheiden
 
Generierte Gesichter wirken sogar attraktiver, vertrauter und vertrauenswürdiger.
Unbewusst
Anders verarbeitet
 
Stärkere Aktivität in Netzwerken für emotionale Bewertung, Hineinversetzen und Wiedererkennen.
Nach einer EEG Studie der Universität Mailand Bicocca, Scientific Reports 2026

Wo geht Emotion in einem KI Film verloren?

Emotion geht in KI Filmen vor allem an vier Stellen verloren, bei Figuren und Ausdruck, bei der Bildwelt, beim Ton und bei den Merkmalen, an denen eine Marke wiedererkannt wird. An allen vier Stellen liefert die Technik zuverlässig Durchschnitt, solange niemand bewusst gestaltet.

Wo Emotion im KI Film verloren geht
01 · Figuren
Wenig Ausdruck, wenig Handlung
Generierte Spots zeigen im Mittel weniger Figuren, weniger Mimik und weniger erzählte Handlung.
02 · Bildwelt
Das Wahrscheinliche
Modelle erzeugen typische Gesichter, typisches Licht und typische Kamerafahrten, und Marken werden einander ähnlicher.
03 · Ton
Musik und Stimme als Nebensache
Generierte Musik wirkt weniger vertraut, und Stimmen, die für menschlich gehalten werden, wirken nahbarer.
04 · Marke
Kaum eigene Merkmale
Ein Logo am Ende ersetzt keine Bildsprache, an der eine Marke im Film selbst erkennbar wird.

System1 hat die Merkmale der generierten Spots aus seinem Test genauer betrachtet. Sie enthielten im Mittel weniger Figuren, weniger menschlichen Ausdruck und weniger erzählte Handlung als klassische Werbefilme, obwohl gerade diese Merkmale die Emotion und die langfristige Markenwirkung tragen. Auch eigene Merkmale der Marken fehlten häufig, und ein Logo im letzten Bild gehört nach dieser Auswertung zu den schwächsten Mitteln der Wiedererkennung. Woraus Markenstärke im Kopf entsteht, beschreibt ein eigener Beitrag.

Bei der Bildwelt kommt ein strukturelles Problem hinzu, das in der Funktionsweise der Modelle selbst liegt. Eine Untersuchung zur vorübergehenden Sperre von ChatGPT in Italien im Jahr 2023 hat gezeigt, dass Instagram Beiträge von Restaurants mit Zugang zu generativer KI einander ähnlicher wurden, und während der Sperre erhielten die Beiträge rund 3,5 Prozent mehr Likes. Die Studie betrifft Texte, und für Video fehlt eine vergleichbare Untersuchung. Der Mechanismus lässt sich trotzdem übertragen, weil Bildmodelle aus großen Datenmengen das Wahrscheinliche erzeugen und ohne klare Vorgaben bei typischen Gesichtern, typischem Licht und typischen Kamerafahrten landen.

Beim Ton fallen die Unterschiede zwischen generiert und menschlich kleiner aus als bei Gesichtern, und sie zeigen sich vor allem in Vertrautheit und Nähe. In einer Studie in PLOS ONE lösten generierte Filmmusiken gleich starke Gefühle aus wie komponierte, verlangten aber nach Pupillenmessung mehr Verarbeitungsaufwand und wirkten weniger vertraut. Eine Laborstudie von WPP Media fand, dass KI Stimmen in Werbung dieselbe Markenwirkung und Kaufabsicht erreichten wie menschliche Stimmen. Stimmen, die das Publikum für menschlich hielt, wirkten dabei nahbarer und emotionaler, und weniger als die Hälfte der Teilnehmenden erkannte eine KI Stimme als solche.

Wie entsteht Emotion in einem KI gestützten Film?

Emotion entsteht in einem KI gestützten Film auf denselben Wegen wie in jedem anderen Film, über eine Idee, die etwas Wahres über Menschen erzählt, über Figuren mit Ausdruck und über Ton, der das Bild trägt. Die Technik verändert die Reihenfolge der Arbeit und verschiebt die Stellen, an denen Sorgfalt nötig wird. Daraus ergeben sich sechs Schritte.

Drei Ebenen eines KI gestützten Films
01 · Bild
Generiert nach Motivwelt
Licht, Farbe und Kamera folgen festen Referenzen der Marke.
02 · Spiel
Getragen von Menschen
Blick, Mimik und Timing stammen aus echtem Schauspiel.
03 · Ton
Eigens produziert
Musik, Stimme und Sounddesign mit geklärten Rechten.

Bild, Spiel und Ton beschreiben, woraus ein KI gestützter Film besteht. Die folgenden sechs Schritte ordnen diese Ebenen in der Reihenfolge, in der sie entstehen, und zeigen, an welchen Stellen die Entscheidungen fallen, die über die Wirkung des Films bestimmen. Sie gelten für einen einzelnen Spot ebenso wie für eine Kampagne mit vielen Fassungen.

  1. Beobachtung und Idee vor dem Werkzeug klären.
    Die erste Frage gilt dem, was ein Film beim Publikum auslösen soll, und der Beobachtung über Menschen, die ihn trägt. Erst danach wird entschieden, welche Einstellungen generiert, welche gedreht und welche kombiniert werden.

  2. Die Motivwelt verbindlich festlegen.
    Licht, Farbe, Kameraführung, Figuren und Musik folgen einem Grundmotiv der Zielgruppe und werden vor der Produktion in Referenzbildern und Beschreibungen festgehalten. Marken mit regelmäßigem Bedarf können zusätzlich eigene Bildmodelle auf ihre Bildsprache trainieren lassen, damit jede Einstellung aus derselben Welt stammt.

  3. Menschliches Spiel zur Quelle machen.
    Verfahren der Performance Capture übertragen das Spiel von Schauspielerinnen und Schauspielern auf generierte Figuren, nach Angaben des Herstellers Runway samt Blickrichtung, feiner Mimik und Timing. In Großaufnahmen kann es sinnvoll sein, Gesichter real zu drehen und die übrige Bildwelt zu generieren. Der Ausdruck, der in Gesichtern die Emotion trägt, bleibt so an einen Menschen gebunden.

  4. KI dort einsetzen, wo sie etwas möglich macht.
    Den größten Gewinn bringt KI bei Bildern, die real kaum oder nur mit großem Aufwand drehbar wären, bei Erinnerungen, bei Übergängen zwischen Zeiten und Orten, bei Tieren als Figuren oder bei Welten, die es nicht gibt. Je deutlicher ein Film auf solchen Bildern beruht, desto nachvollziehbarer ist der Einsatz der Technik für das Publikum.

  5. Ton, Musik und Stimme eigens produzieren.
    Dialog, Musik und Sounddesign entstehen getrennt vom Bild und werden im Schnitt angelegt. Musik und Stimmen brauchen geklärte Rechte, und bei der Stimme lohnt die Frage, ob eine Sprecherin oder ein Sprecher die Nähe herstellt, die der Film braucht.

  6. Die Wirkung testen.
    Vor der Veröffentlichung wird geprüft, was der Film bei Menschen aus der Zielgruppe auslöst, mit Emotionstests, kleinen Vorführungen oder Varianten im Kanal. Dazu gehört ausdrücklich die Frage, ob der Film als KI erkannt wird und ob das die Reaktion verändert.

Wie implizite Signale eine Motivwelt aufbauen, beschreibt der Beitrag über das, was Marken sagen, ohne es auszusprechen, und dieselbe Logik gilt für jede generierte Einstellung.

Warum ist Vertrauen eine eigene Ebene?

Ein Film kann berühren und gleichzeitig das Gefühl hinterlassen, getäuscht worden zu sein, und dieses zweite Gefühl richtet sich gegen die Marke. Vertrauen entsteht deshalb auf einer eigenen Ebene, über die Frage, ob das Publikum dem Absender den Einsatz der Technik zugesteht. Offenheit über den Einsatz von KI kostet nach den vorliegenden Daten kaum Wirkung und schützt das Verhältnis zur Marke.

Wie weit die Einschätzungen auseinanderliegen, zeigt eine Befragung des US Werbeverbands IAB. 82 Prozent der befragten Werbeverantwortlichen gingen davon aus, dass Konsumentinnen und Konsumenten KI Werbung positiv sehen, unter den befragten Angehörigen der Generationen Z und Y waren es 45 Prozent. Marken, die KI einsetzen, beschrieben diese Befragten doppelt so häufig als manipulativ wie die Werbeverantwortlichen selbst. In Deutschland ist das Bild geteilt. Laut dem AI Monitor 2026 von Ipsos finden 42 Prozent KI erstellte Markenwerbung in Ordnung und 43 Prozent nicht, und 75 Prozent erwarten, dass Unternehmen den Einsatz von KI offenlegen. Für Filme und Serien wünschen sich nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom sogar 91 Prozent eine eindeutige Kennzeichnung.

Die Kennzeichnung selbst scheint der emotionalen Wirkung wenig zu schaden. In der Auswertung von System1 fiel die Reaktion auf Spots, die Zuschauende für KI erzeugt hielten, eher stärker aus, und in der Befragung von IAB gaben 73 Prozent an, dass das Wissen um KI ihre Kaufbereitschaft erhöhen oder unverändert lassen würde. Eine offene Kennzeichnung bewahrt eine Marke vor dem Moment, in dem das Publikum den KI Einsatz selbst entdeckt und sich fragt, was ihm sonst noch vorenthalten wurde.

Heikel wird es, sobald generierte Menschen eine Echtheit behaupten, die sie nicht haben, etwa als vermeintliche Kundinnen und Kunden, die von eigenen Erfahrungen berichten. Solche Formate leben von der Glaubwürdigkeit echter Nutzerinnen und Nutzer, und der Anhang des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb untersagt ausdrücklich, gefälschte Empfehlungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern in Auftrag zu geben. Bei der Abgrenzung hilft eine einfache Prüffrage, ob sich das Publikum getäuscht fühlen würde, wenn es erfährt, dass die Person im Bild nicht existiert.

Die Plattformen setzen inzwischen eigene Signale. Meta versieht Inhalte auf Instagram und Facebook mit dem Hinweis „AI info“, sobald die Datei entsprechende Metadaten enthält, LinkedIn zeigt bei signierten Herkunftsdaten ein eigenes Symbol, und YouTube verlangt die Angabe realistischer KI Inhalte beim Hochladen, ohne dadurch nach eigener Aussage die Reichweite zu begrenzen.

Ein Film darf erfundene Bilder zeigen, solange er dem Publikum keine erfundene Wirklichkeit verkauft.

Was gilt rechtlich für KI Videos in der Werbung?

Seit dem 2. August 2026 verpflichtet Artikel 50 der europäischen KI Verordnung dazu, realistisch wirkende KI Inhalte, die echten Personen, Orten oder Ereignissen ähneln, als künstlich erzeugt offenzulegen. Hinzu kommen Fragen des Urheberrechts, der Persönlichkeitsrechte und der Rechte an Musik und Werkzeugen. Dieser Abschnitt gibt eine Orientierung und ersetzt keine rechtliche Prüfung im Einzelfall.

Die Pflicht trifft auch Marken und Agenturen, die solche Inhalte veröffentlichen. Maßgeblich ist, ob ein Inhalt fälschlich echt wirken kann, und beurteilt wird das aus Sicht des gesamten Publikums, also auch älterer Menschen oder von Menschen mit wenig Erfahrung im Umgang mit digitalen Medien. Für erkennbar künstlerische, fiktionale oder satirische Werke gilt eine abgeschwächte Form der Offenlegung, die den Genuss des Werks nicht stören soll, und die Leitlinien der Europäischen Kommission legen diese Ausnahme eng aus. Offengelegt wird spätestens beim ersten Kontakt, bei Video also zu Beginn, und ein Hinweis allein im Abspann reicht nach den Leitlinien nicht. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.

Beim Urheberrecht gilt nach überwiegender Auffassung, dass rein per Textbefehl erzeugte Clips in Deutschland keinen urheberrechtlichen Schutz genießen, weil ihnen die persönliche geistige Schöpfung eines Menschen fehlt. Schutz kann über die Gestaltung entstehen, die Menschen in Drehbuch, Auswahl, Montage und Vertonung einbringen, und über das Leistungsschutzrecht für Laufbilder. Welche Rechte am Ergebnis bestehen, hängt zudem von den Nutzungsbedingungen des jeweiligen Werkzeugs ab, und eine Agentur kann ihrer Kundschaft nur die Rechte einräumen, die sie selbst erhalten hat. Eine Dokumentation der Arbeitsschritte, von den Textbefehlen bis zu den Projektdateien, erleichtert später den Nachweis.

Erkennbare reale Personen dürfen nur mit ihrer Einwilligung nachgebildet werden, und das gilt für Gesichter ebenso wie für Stimmen. Bei Musik ist die Lage in Bewegung. Das Landgericht München I hat der GEMA im November 2025 gegen OpenAI und im Juli 2026 gegen den Musikgenerator Suno recht gegeben, beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Für Werbefilme empfiehlt sich deshalb Musik, deren Rechte eindeutig geklärt sind.

01 · Kennzeichnung
Zu Beginn sichtbar
02 · Bildrechte
Nutzungsbedingungen geprüft
03 · Personen
Einwilligung für Gesicht und Stimme
04 · Musik
Rechte eindeutig geklärt

Wo liegen die Grenzen dieser Befunde?

Die Forschung zu KI im Bewegtbild ist jung, und viele Befunde beruhen auf kleinen Stichproben. Der Test von System1 umfasste 18 Spots, die bereits Aufmerksamkeit in der Branche erhalten hatten und zum Teil von Unternehmen aus dem Umfeld des beteiligten Partnerunternehmens stammten. Die EEG Studie arbeitete mit 30 Versuchspersonen und mit Standbildern, die Studie zu KI Stimmen mit 55, und ein großer Teil der Befragungen stammt aus den USA.

Hinzu kommt, dass sich die Werkzeuge in wenigen Monaten erheblich verändern. Was heute als typischer Fehler generierter Bilder gilt, kann im nächsten Jahr behoben sein, während die Fragen nach Vertrauen, Glaubwürdigkeit und eigener Bildsprache bestehen bleiben. Ein KI Film kann außerdem nur sichtbar machen, was eine Marke ausmacht. Fehlt eine klare Positionierung, entsteht auch mit großem Aufwand ein Film ohne Halt, und dann ist eine Markenstrategie und Positionierung der sinnvollere erste Schritt.

Wie sieht das in einer typischen Situation aus?

Ein Anbieter von Hausnotrufsystemen plant eine Kampagne für YouTube und Instagram, ergänzt um eine kürzere Fassung für LinkedIn, wo das Unternehmen Pflegedienste und Wohnungsunternehmen als Partner anspricht. Das Budget erlaubt keinen aufwendigen Dreh an mehreren Orten und über mehrere Zeitebenen. Ein erster Vorschlag aus dem Team sieht generierte Seniorinnen und Senioren vor, die als zufriedene Kundschaft von ihren Erfahrungen berichten, und er wird nach der Prüffrage aus dem Abschnitt über Vertrauen verworfen.

Am Anfang der Überarbeitung steht die Beobachtung, die den Film tragen soll. Viele ältere Menschen zögern, Hilfe anzunehmen, weil sie ihren Kindern nicht zur Last fallen möchten, und viele Angehörige scheuen sich, das Thema anzusprechen. Als Grundmotiv wird Bindung festgelegt, ergänzt um Sicherheit. Die Idee führt durch fünf Jahrzehnte in derselben Küche, von einer jungen Familie über laute Feste bis zu einer stillen Gegenwart, und endet mit dem Moment, in dem ein Knopf am Handgelenk die Verbindung zur Familie hält.

Beobachtung
Niemand möchte zur Last fallen
Grundmotiv
Bindung
Ergänzt um
Sicherheit

Die Zeitreise der Küche entsteht mit KI, weil sie real nur mit großem Aufwand drehbar wäre. Die Großaufnahmen der Gesichter werden mit Schauspielerinnen und Schauspielern gedreht und in die generierte Welt eingesetzt, sodass Blicke und Mimik aus echtem Spiel stammen. Licht und Farbe folgen festen Referenzen, warm in den frühen Jahrzehnten und gedämpfter in der Gegenwart. Musik und Stimme werden eigens produziert, gesprochen von einer Sprecherin, deren Stimme Ruhe und Wärme vermittelt. Zu Beginn jeder Fassung steht ein dezenter Hinweis auf die mit KI erzeugten Bilder, und die Herkunftsdaten der Dateien bleiben erhalten. Vor dem Start sieht eine kleine Gruppe aus der Zielgruppe zwei Varianten, und erst danach entstehen die Fassungen von 15 und 60 Sekunden für die einzelnen Kanäle.

Was den Widerspruch auflöst

Die beiden Befunde aus dem Einstieg beschreiben zwei Ebenen desselben Films. Hohe Werte im Emotionstest zeigen, dass generierte Bilder berühren können, wenn Idee, Figuren und Ton stimmen. Sinkendes Vertrauen zeigt, dass das Publikum zugleich bewertet, wie offen eine Marke mit der Technik umgeht und ob sie Menge mit Wirkung verwechselt. KI Videoproduktion gelingt dort, wo Menschen die Geschichte, den Ausdruck und den Ton verantworten, die Technik Bilder möglich macht, die sonst unerreichbar wären, und der Absender offen sagt, wie sein Film entstanden ist.

Wer einen Film, eine Kampagne oder eine Reihe kurzer Formate mit generativer KI umsetzen möchte, findet auf der Seite Bewegtbild und Videoproduktion einen Überblick über meine Arbeit, von der Konzeption über KI gestützte Produktion bis zu Schnitt, Farbe und Ton, für Unternehmen ebenso wie zur Verstärkung von Agenturen und Produktionsfirmen.

Generative KI liefert Bilder in jeder Menge, und das Gefühl darin entsteht weiterhin dort, wo Menschen etwas Wahres über Menschen erzählen.

Ich bin Bob, Marken- und Kommunikationsspezialist aus Berlin. Ich unterstütze Unternehmen dabei, ihre Marke strategisch zu schärfen, überzeugend zu erzählen und wirksam in die Welt zu bringen.